Aufbau eines Geodatenservers für die forstliche Standortserkundung in Bayern

 

Gernot Rücker, ZEBRIS Geoinformationssysteme und Consulting GbR, München
Jens Dörken, Verein für forstliche Standortserkundung e.V., München

 

Die Daten zur forstlichen Standortserkundung in Bayern

Die forstliche Standortserkundung dient der Charakterisierung der Gesamtheit der ökologischen Faktoren, die auf den Wald an einem bestimmten Ort einwirken. Standortsdaten sind die wichtigsten Entscheidungshilfen bei der Waldbewirtschaftung.

Der Träger der Standortserkundung im Privat und Körperschaftswald in Bayern, der Verein für forstliche Standortserkundung e.V. (VfS) archiviert seit Beginn seiner Tätigkeit 1984 alle Ergebnisse der Kartierungen (zur Zeit rund 800.000 ha Waldflächen). Jährlich kommen ca. 40.000 ha hinzu. Die Standortsdaten, die im wesentlichen Aussagen über Charakteristika des Bodens enthalten, wie z.B. Wasserhaushalt, Substrat, Nährstoffhaushalt etc., werden im Maßstab 1:5.000 aufgenommen. Potentielle Anwender sind neben den Waldbewirtschaftern auch Naturschutz, Wissenschaft, Wasserwirtschaft und andere mehr.

Ein Informationssystem zur digitalen Datenhaltung

Seit 1997 werden daher alle Standortsdaten des VfS digitalisiert und im ArcCAD-Coverage Format archiviert. Zudem werden die Grundlagen der analogen Karten, teilweise bearbeitete Flur- und Höhenlinienkarten, gescannt und im Tif-Format gespeichert. 1999 beschloss der VfS, die Standortsdaten in einem Geodatenserver vorzuhalten. Die Wahl fiel auf ArcSDE und Oracle 8i als zugrundeliegendes relationales Datenbanksystem. Pflege, Auswertung und Verwaltung der Daten sollten über ArcInfo, ArcView und Microsoft Access als Datenbankclient erfolgen.

Konzeptionsphase

Die Firma ZEBRIS wurde beauftragt, ein Konzept zur Verwaltung der GIS-Daten des VfS sowie der zugehörigen Projektdaten zu erstellen. Umfangreiche Vorgespräche wurden geführt, um die komplexen Handlungsabläufe zur Abwicklung der Kartierprojekte in der Datenbankstruktur und den Clientapplikationen abzubilden. Neben der Archivierung der Standortsdaten, sollen die internen Verwaltungsaufgaben und die Projektabwicklung vereinfacht und neue Auswertemöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden.

Nachdem in der zweiten Jahreshälfte 2000 die benötigte Hard- und Software bereitgestellt war, wurde die Umsetzung des Projektes in Angriff genommen. Oracle 8i und ArcSDE laufen auf einem Windows NT 4.0 Server. Derzeit stehen für die Datenbank (Raster-, Vektor- und Metadaten) mehr als 160 GB Festplattenspeicher zur Verfügung. Es gibt zwei ArcView Clients und einen ArcInfo-Client; mehrere MS Access Clients zur Pflege und Abfrage der Metadaten sind in Vorbereitung.Aufgabe des ArcInfo-Clients Die schwierigste und zugleich vordringlichste Aufgabe bei der Digitalisierung des Archivs ist die Erzeugung eines blattschnittfreien Datensatzes aus den Standortsdaten, die derzeit Kartiergebietsweise vorliegen. Da die ältesten Aufnahmen ca. 20 Jahre zurückliegen, sind die Gebiete hinsichtlich der Qualität ihrer Legende sehr unterschiedlich. Um eine schrittweise Homogenisierung der Gebiete zu ermöglichen und die Rohdaten gleichzeitig verfügbar zu halten, wurde auf die mit ArcInfo 8 zur Verfügung stehenden Funktionen der Geodatabase zugegriffen. So ist es möglich, Datensätze in unterschiedlichen Versionen vorzuhalten. Die Homogenisierung der Standortsdaten erfolgt über vier Versionen, die von unterschiedlichen Bearbeitern erstellt werden (GIS-Techniker, Projektbetreuer, Standortskundler). Ausgangspunkt sind die Rohdaten, wie sie vom Digitalisierbüro kommen, Endprodukt ist ein fachlich und geometrisch bereinigter Datensatz mit überarbeiteter Legende.

Neben den Standortsdaten im Vektorformat verwaltet der VfS ein umfangreiches Archiv an Rasterdaten: gescannte Flurkarten, Höhenlienkarten, Luftbildkarten und Farboriginale der Standortskarten. Insgesamt sind weit über 10.000 Rasterdatensätze zu verwalten. Diese Datensätze müssen entzerrt und in die Gauß-Krüger Projektion überführt werden, in der auch die Vektordaten des VfS vorgehalten werden. Mittels einer Applikation für ArcView Image Analyst werden die als BLOB (Binary Large Object) in der Datenbank gespeicherten Raster ausgelesen, entzerrt, komprimiert und wieder in die Datenbank zurückgeschrieben. Die Entzerrung erfolgt semiautomatisch über die Ecken der Flurkartenblattschnitte als Referenzpunkte.

Die Zukunft

In naher Zukunft sollen Daten und damit verbundene Dienstleistungen zweckgebunden den Waldbesitzern und eigentumsunabhängige Informationen und Dienstleistungen einer weiteren Öffentlichkeit angeboten werden. Für eine zukünftige Projektphase ist deshalb eine teilweise Veröffentlichung und Abfragemöglichkeit sowie der Vertrieb der Daten über Internet vorgesehen, um sie z.B. im Rahmen des „Geography Network“ dem berechtigten Benutzerkreis zur Verfügung zu stellen.

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